Einreise und Aufenthalt

Wenn Sie nach Deutschland kommen wollen, um hier eine Arbeit aufzunehmen oder wenn Sie sich vielleicht schon in Deutschland befinden, gelten verschiedene Rechtsgrundlagen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Bestimmungen zum Aufenthalts- und Arbeitserlaubisrecht für folgenden Personenkreise:

​Eine noch umfassendere Übersicht zu diesem Thema bietet der Leitfaden "Arbeitserlaubnisrecht für Flüchtlinge und MigrantInnen" (Stand 06/2015) des Flüchtlingsrates Niedersachsen e.V.

Informationen für EU-Bürger/-innen

EU-Bürgerinnen und EU-Bürger genießen Freizügigkeit innerhalb der EU und dürfen sich an einem Ort ihrer Wahl niederlassen. Sie brauchen einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Wird ein dauerhafter Wohnsitz in Deutschland angestrebt, müssen sich EU-Bürgerinnen und EU-Bürger innerhalb von einer Woche in der Meldebehörde ihres Wohnortes anmelden. Da sie keinen Einschränkungen beim Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt unterliegen, können sie unmittelbar nach der Einreise einer Beschäftigung nachgehen.                                                      

Informationen für Personen aus Drittstaaten

Ausländische Fachkräfte aus Drittstaaten benötigen zur Einreise nach Deutschland und für den Aufenthalt zum Arbeiten in Deutschland einen Aufenthaltstitel. Dieser wird im Heimatland bei der zuständigen deutschen Vertretung beantragt. Dazu wird vor der Einreise ein nationales Visum zum Zweck der Arbeitsaufnahme beantragt (i.d.R. 3 Monate gültig). Nach der Einreise muss in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Beschäftigung (§18 AufenthG) beantragt werden.

Hochqualifizierte ausländische Fachkräfte können verschiedene Arten der Aufenthaltsgenehmigungen beantragen. Bei einigen ist eine vorherige Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit notwendig. Deren Zustimmung ist erteilt, wenn die Bundesagentur für Arbeit nicht innerhalb einer Frist von zwei Wochen auf die Anfrage der Ausländerbehörde antwortet, dass die eingereichten Informationen nicht ausreichend zur Erteilung einer Zustimmung seien.

Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche

Seit dem 1. August 2012 können qualifizierte Fachkräfte eine Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche beantragen. Diese ermöglicht die Suche nach einem Arbeitsplatz in Deutschland für eine Dauer von sechs Monaten. Sie kann nur erteilt werden, wenn der Lebensunterhalt in dieser Zeit gesichert ist.

Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Anerkennung einer ausländischen Berufsqualifikation

Mit der Ändeung des Aufenthaltsgesetzs 2015 wurde ein neuer Aufenthaltstitel für Personen geschaffen, die ihren Abschluss in Deutschland anerkennen lassen möchten und dafür die Teilnahme an einer betrieblichen oder schulischen Ausbildungsmaßnahme benötigen (17a AufenthG). Hiermit wurde eine einheitliche Regelung für die Durchführung von Bildungsmaßnahmen geschaffen, die geeignet sind, fachliche, praktische und/oder sprachliche Defizite, die der Anerkennung des ausländischen Abschlusses bzw. dem Berufszugang entgegenstehen, auszugleichen. Der Aufenthaltstitel gilt für einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten und kann nach der Feststellung der Gleichwertigkeit bzw. der Erteilung des Berufszugangs bis zu einem Jahr für die Suche eines entsprechenden Arbeitsplatzes verlängert werden. Darüber hinaus gestattet der Aufenthaltstitel während der Bildungsmaßnahme die Ausübung einer Tätigkeit, die in einem engen berufsfachlichen Zusammenhang mit dem Beruf steht, für den die Berufszulassung bzw. Gleichwertigkeit beantragt wurde, wenn bereits ein Arbeitsplatzangebot für die Zeit nach der Anerkennung vorliegt.

Blaue Karte EU (§ 19a AufenthG)

Seit Mitte 2012 haben qualifizierte Fachkräfte die Möglichkeit, mit der Blauen Karte EU nach Deutschland einzureisen und hier zu arbeiten. Die Blaue Karte ist eine befristete Aufenthaltserlaubnis, die ihrem Inhaber nach 18 Monaten die Freizügigkeit innerhalb der EU erlaubt. Sie ist an ein Beschäftigungsverhältnis gebunden.

Die Blaue Karte EU wird bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung beantragt. Zugangsvoraussetzung ist ein inländischer oder ein mit einem inländischen Hochschulabschluss vergleichbarer ausländischer Hochschulabschluss sowie ein Arbeitsplatzangebot, dessen Jahresgehalt bei derzeit mindestens 46.400€ liegt. Zum Erlangen dieser Blauen Karte EU ist keine Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit notwendig (Vorrangprüfung). Allerdings ist ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb der ersten zwei Jahre der Beschäftigung genehmigungspflichtig durch die Bundesagentur für Arbeit.

Fachkräfte sogenannter „Mangelberufe“ (z.B. MINT, IT) erhalten die Blaue Karte EU bereits bei einem Jahreseinkommen von derzeit 36.192€. In diesem Fall ist noch eine Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit erforderlich. Diese soll sicherstellen, dass die Arbeitsbedingungen und das Gehalt den üblichen Arbeitsbedingungen entsprechen.

Fachkräfte, die eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG  (§ 9a AufenthG) in Deutschland beantragen wollen, können sich den Besitz der Blauen Karte EU (unabhängig davon, in welchem EU-Staat die Karte ausgestellt wurde) auf die Zeit anrechnen, die zur Erteilung notwendig ist.

Ehegatten, Lebenspartner und Kinder von Inhabern einer Blauen Karte EU dürfen nach Deutschland einreisen bzw. nachziehen ohne ihre Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen zu müssen. Ehegatten und Lebenspartner dürfen unmittelbar nach ihrer Ankunft einer Arbeit nachgehen.

Nach 33 Monaten Beschäftigung haben Inhaberinnen und Inhaber der Blauen Karte EU Anrecht auf eine unbefristete Niederlassungserlaubnis (§9 AufenthG), wenn sie Deutschkenntnisse auf dem Sprachniveau B1 sowie Kenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung nachweisen können. Ein Zertifikat über einen erfolgreich abgeschlossenen Integrationskurs dient als Nachweis für beide Anforderungen.

Die Frist kann auf 21 Monate verkürzt werden, wenn zu diesem Zeitpunkt bereits Sprachkenntnisse der Stufe B1 nachgewiesen werden können.