Mitarbeiter auswählen

Von der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen über das persönliche Gespräch bis hin zu den Einstellungsmodalitäten – es gibt unterschiedliche Gepflogenheiten, die kulturell geprägt sind. Es hilft, diese zu kennen, um die Qualifikation und Kompetenz einer Bewerberin bzw. eines Bewerbers tatsächlich richtig einschätzen zu können.

Trennlienie

Bewerbungsunterlagen und Qualifikation prüfen

Die Form oder der Aufbau der Unterlagen ausländischer Bewerberinnen und Bewerber können anders als in Deutschland sein. Vielfach werden Ausbildungs- und Berufsstationen nicht ausführlich mit Zeugnissen dokumentiert. Es ist nicht unüblich, dass Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulabschluss auch unter ihrer Qualifikation gearbeitet haben, um später im Unternehmen intern aufzusteigen, und sich daher breit auf jede Stelle bewerben. In angloamerikanischen Ländern gibt man eher Personen als Referenzen an, bei denen sich künftige Arbeitgeber informieren können, statt der Bewerbung Zeugnisse beizufügen.

Trennlienie

Vorstellungsgespräche führen

Wenn Sie das Bewerbungsgespräch nicht persönlich im Herkunftsland führen können, bietet sich ein Gespräch über Internettelefonie (z. B. Skype) an. Soll indes die Bewerberin bzw. der Bewerber für ein Gespräch anreisen, bedenken Sie, dass Staatsangehörige aus Nicht-EU-Staaten für einen Besuch in Deutschland ein Visum benötigen. Die Bearbeitung und Ausstellung kann je nach Herkunftsland einige Zeit in Anspruch nehmen. Denken Sie daran, dass Reisekosten zum Vorstellungsgespräch ohne Hinweis auf Nichterstattung im Einladungsschreiben vom Arbeitgeber zu tragen sind.

Um ein Vorstellungsgespräch mit Menschen anderer Herkunft interkulturell sensibel zu führen, gilt es, verschiedene Dinge zu beachten.

Die in der Stellenausschreibung genannte Ansprechperson sollte idealerweise die Muttersprache der Bewerberin bzw. des Bewerbers oder Englisch sprechen und auch selbst am Vorstellungsgespräch beteiligt sein. Wenn Sie das Gespräch auf Deutsch führen und die bzw. der Bewerbende in der Sprache noch unsicher wirkt, verwenden Sie möglichst einfache Formulierungen (siehe Ratgeber "Leichte Sprache“). Versuchen Sie durch ganz konkrete Fragen herauszufinden, wie die Bewerberin bzw. der Bewerber in vorigen Anstellungsverhältnissen gearbeitet hat und was ihre bzw. seine Aufgaben waren. Hierdurch vermeiden Sie Missverständnisse in Bezug auf die zu erwartenden Kompetenzen.

Häufig ist es nicht leicht, unbekannte Namen von Bewerberinnen und Bewerbern mit ausländischen Wurzeln richtig auszusprechen. Fragen Sie gleich bei der Begrüßung nach, wie die richtige Aussprache lautet. Dies wirkt normalerweise nicht unhöflich, sondern drückt vielmehr eine Wertschätzung des Gegenübers aus.

Bei der Vorstellung des Unternehmens können Sie die interkulturelle Offenheit Ihres Unternehmens präsentieren, indem Sie beispielsweise auf die Heterogenität Ihrer Mitarbeitenden und Auszubildenden verweisen, die Internationalität Ihrer Kunden herausstellen und den Diversity-Ansatz Ihres Unternehmens erklären.

Bei der Befragung der Bewerberin bzw. des Bewerbers sollten Sie versuchen, durch ganz konkrete Fragen herauszufinden, wie die Bewerberin bzw. der Bewerber in vorigen Anstellungsverhältnissen gearbeitet hat und was ihre bzw.  seine Aufgaben waren. Hierdurch vermeiden Sie Missverständnisse in Bezug auf die zu erwartenden Kompetenzen.

Mimik und Gestik von Menschen sind kulturell unterschiedlich geprägt. Wenn Bewerberinnen und Bewerber während des Bewerbungsgesprächs Augenkontakt vermeiden, können sie unsicher sein, aber auch Respekt ausdrücken wollen, wie es z.B. im asiatischen Raum „höherrangigen“ Persönlichkeiten gegenüber gepflegt wird. Treten sie sonst sicher und ruhig auf, sprechen laut und verdeutlichen mithilfe der Körpersprache, was sie sagen möchten, fühlen sie sich im Bewerbungsgespräch wohl. Verwenden Bewerberinnen und Bewerber eine kreative, lebendige Sprache mit klaren Satzkonstruktionen, stören Sie sich nicht an einer ggf. nicht ganz korrekten Grammatik. Ein positives Signal ist es auch, wenn der/die Bewerbende selbstständig nachhakt, falls sie bzw. er etwas nicht verstanden hat.

Trennlienie

Ein Praktikum oder eine Arbeitserprobung vereinbaren

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein Mindestlohn, dieser beträgt 8,84 € pro Stunde. Dies betrifft unter bestimmten Voraussetzungen auch Praktikantinnen und Praktikanten.
Grundsätzlich haben Praktikantinnen und Praktikanten Anspruch auf den Mindestlohn, ausgenommen sind so genannte Pflichtpraktika im Rahmen von Schule oder Studium.
Bei freiwilligen Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern, besteht kein Anspruch auf den Mindestlohn, wenn sie der Berufsorientierung dienen oder ausbildungs- bzw. studienbegleitend geleistet werden. Ein Orientierungspraktikum oder ein ausbildungs- bzw. studienbegleitendes Praktikum, das länger als drei Monate dauert, ist ab dem ersten Tag mit dem Mindestlohn zu vergüten.
Praktikanten, die außerhalb einer Ausbildung oder eines Studiums eingestellt werden und die eine abgeschlossenen Berufsausbildung oder einen Studienabschluss vorweisen, haben - unabhängig von der Dauer des Praktikums - Anspruch auf den Mindestlohn. Die Übersicht von Kofa bietet Informationen zum Thema Praktika für Geflüchtete.

​Praktikum mit Bezahlung

Erhält die bzw. der Arbeitssuchende ein Entgelt während des Praktikums, muss sie bzw. er zwingend im deutschen Sozialversicherungssystem angemeldet werden; entweder über einen Minijob oder über ein kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis:

Im Rahmen eines Minijobs - auch 450 €-Job gennant - erfolgt ein Eintritt in die Knappschaft und eine Meldung bei der Rentenversicherung. Ob ein Antrag auf Befreiung der Rentenversicherungspflicht gestellt wird, ist der Arbeitnehmerin bzw. dem Arbeitnehmer überlassen. Weitere Informationen sowie die Anmeldung erfolgt über die Minijob-Zentrale.

Als kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis gilt, wenn von Anfang an klar ist, dass die Beschäftigung nicht länger als zwei Monate läuft. Wenn eine Arbeitskraft eine Arbeitserprobung mit einem Entgelt über 450 € in ihrem bzw. seinem Berufsfeld wie z. B. als Bauingenieurin oder Bauingenieur durchläuft, ist dieses kein Praktikum und muss als kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis angemeldet werden (Finanzamt, Rentenversicherung, Sozialversicherung, Meldeamt, Krankenversicherung). Der Arbeitgeber kann auch 25 % pauschal zahlen. So ist die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer über den Arbeitgeber nur unfall-, aber nicht krankenversichert. Das Gehalt wird dann in voller Höhe ausbezahlt, die 25 % trägt der Arbeitgeber alleine.

Die Informationen sind ohne Gewähr. Grundsätzlich sollten sich die Arbeitgeber im Einzelfall bei Ihren Steuerberatern und anderen entsprechenden Ansprechpartnern wie Finanzämter und Krankenkassen rückversichern lassen. 

Trennlienie

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie in der   .