Mitarbeiter binden

Neuen Mitarbeitenden den Einstieg erleichtern

Haben Sie Mitarbeiter/-innen nicht deutscher Herkunft eingestellt, können Sie ihnen mit ein wenig Hilfestellung den Einstieg erleichtern. Der Aufwand lohnt sich: Häufig entscheidet die Unternehmenskultur, ob sich ein/e Mitarbeiter/-in in der neuen Lebens- und Arbeitsumgebung einlebt oder nicht. Schließlich sollte es Ihr Ziel sein, Ihr Unternehmen nachhaltig mit gut qualifizierten Fachkräften aufzustellen, um auf dem umkämpften Markt erfolgreich bestehen zu können. Wie Untersuchungen zeigen, sind Mitarbeitende, die sich nicht als Teil der Mehrheit im Unternehmen begreifen, häufig unzufriedener und verlassen den Betrieb schneller als Ihre Kolleg/-innen. Daher ist es besonders wichtig, ein Klima im Unternehmen zu schaffen, dass alle willkommen heißt und integriert.

Versuchen Sie, die neuen Kolleg/-innen den betrieblichen Erfordernissen und ihren eigenen Qualifikationen entsprechend einzusetzen. Anfänglich werden geringe Deutschkenntnisse möglicherweise eine Herausforderung darstellen, hier gibt es Möglichkeiten, unterstützend tätig zu werden, indem beispielsweise kostenlose Deutschkurse angeboten werden.

Die hier dargereichten Hinweise können Sie leicht auf Ihr Unternehmen anwenden, um auf diese Weise die volle Arbeitskraft von neuen Mitarbeiter/-innen zu nutzen. Ihre Hilfsbereitschaft wird sicher gern angenommen und sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit und Motivation auswirken. Sie können z. B. einen Einarbeitungsplan erstellen. Dieser kann u. a. folgende Informationen enthalten:

  • Beschreibung des Arbeitsplatzes
  • Liste wichtiger Ansprechpartner/-innen
  • detaillierte Aufstellung der ersten Aufgaben
  • Zielsetzungen für kommende Entwicklungsetappen, welche auch für Sie hilfreich sind, um den Bedarf an möglichen oder nötigen Nachqualifizierungen rechtzeitig zu erfassen

Der nachfolgende Fragenkatalog kann Ihnen helfen, sich noch besser in die Situation des ausländischen Mitarbeitenden hineinzuversetzen und so Ihren Umgang mit Ihrem/r neuen Mitarbeiter/-in zu reflektieren. Die hier aufgelisteten Fragen sind nur Beispiele, die einen Eindruck vermitteln sollen, wie diese Herangehensweise funktioniert.

  1. Haben Sie die zu erledigenden Aufgaben so konzipiert, dass der/die Mitarbeiter/-in sie zunächst ohne umfassende Deutschkenntnisse erfüllen kann?
  2. Ist es nötig, interne Anweisungen, Fachtexte und Aufgaben zunächst in Englisch oder eine andere Sprache zu übersetzen?
  3. Gibt es fachlich kompetente und persönlich integre Mitarbeitende, die als Mentoren und Vorbilder für fachliche Fragen fungieren können? Gibt es sogar vielleicht sogar bereits jemanden mit Migrationshintergrund in der Firma, der diese Aufgabe erfüllen könnte? Der als Mentor fungierende Kollege / die als Mentorin fungierende Kollegin sollte möglichst fließend Deutsch sprechen und nach Möglichkeit nicht die gleiche Muttersprache wie der Neuankömmling beherrschen. So erleichtern Sie Ihrem/r neuen Mitarbeiter/-in das Erlernen der deutschen Sprache im Betriebsablauf.
  4. Haben Sie ein bestehendes Einarbeitungskonzept für neue Mitarbeiter/-innen? Dieses kann vielleicht mit relativ wenig Aufwand an neue Fachkräfte mit Migrationshintergrund oder aus dem Ausland angepasst werden.
  5. Können oder wollen Sie dem/r Mitarbeiter/-in bestimmte Angebote zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf machen (z. B. flexible Urlaubsregelungen oder Arbeitszeiten)? Gibt es Nachqualifizierungen, die ggf. notwendig sind?
  6. Wollen Sie in Ihrem Unternehmen aktiv dazu beitragen, dass der Umgang mit Vielfalt unter den Mitarbeitenden weiter gefördert wird? Und wenn ja: Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen? 

Trainings und Firmenaktivitäten, bei denen die neuen Mitarbeiter/-innen Erfahrungen aus ihrer Heimatkultur einbringen, können hierbei hilfreich sein.

Umsetzung von Willkommenskultur

Die Praxis zeigt, dass es Länder gibt, deren wirtschaftlicher Wohlstand maßgeblich von der guten Inklusion verschiedener Zuwanderer und Kulturen abhängt. Ein gutes Beispiel ist der Flächenstaat Kanada. So lautet das Motto der größten Stadt Toronto " Diversity our Strength!", was übersetzt bedeutet: "Vielfalt ist unsere Stärke". Eine solche Philosophie kann Ihr Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels nachhaltig stärken.
Der Begriff Willkommenskultur bezeichnet in diesem Zusammenhang die Aufgeschlossenheit Ihres Unternehmens gegenüber Migrant/-innen. Sie signalisieren durch eine gelebte Willkommenskultur, dass Menschen aus anderen Ländern dieser Welt bei Ihnen willkommen sind, dass es für sie berufliche Perspektiven gibt und dass sie genauso geschätzt und respektiert werden wie Mitarbeiter/-innen deutscher Herkunft. Folgende Tipps können Ihnen helfen, Willkommenskultur im Unternehmen umzusetzen.

  • Zeigen Sie in Ihrer Firma Offenheit für andere Kulturen und die Vielfalt von Persönlichkeiten anhand von Beispielen und Illustrationen, z. B. indem Plakate und Comics angebracht werden oder YouTube-Videos zu Diversity versendet werden. Eine kurze Internetrecherche zu diesem Thema kann bereits gute Ergebnisse liefern. 
  • Gespräche beim gemeinsamen Essen können für Sie eine gute Gelegenheit sein, sich mit der Kultur und den Bedürfnissen der zugewanderten Mitarbeiter/-innen vertraut zu machen. Haben Sie keine Scheu zu fragen. Ihr/e Kolleg/-in bzw. Mitarbeiter/-in wird sich freuen, dass Sie Interesse an seiner/ihrer Kultur zeigen.
  • Sie wollen noch mehr tun? Halten Sie praxisnahe Schulungen zur Umsetzung kultureller Vielfalt mit Ihrer gesamten Belegschaft oder einzelnen Abteilungen ab, wenn eine gewisse Anzahl an Mitarbeiter/-innen mit Migrationshintergrund erreicht ist, oder schließen Sie sich mit anderen Unternehmen für ein solches Training zusammen.
  • Auch eine im Unternehmen verankerte Anlaufstelle für Konfliktsituationen kann hilfreich sein, um herauszufinden, ob ein Konflikt einen kulturellen oder persönlichen Hintergrund hat. So können erfolgshemmende Konflikte nachhaltig aufgelöst werden.
  • Denkbar ist auch ein religiöser oder kultureller Kalender am schwarzen Brett. Es wäre doch eine nette Geste, Ihrem/r Mitarbeiter/-in einen frohen Feiertag zu wünschen.
  • Eine große Hilfe können Mitarbeiter/-innen mit Migrationshintergrund sein, die schon länger im Betrieb sind. Sie werden sich freuen, dass Sie Wert auf ihre Vorschläge zur Umsetzung von Vielfalt in der Firma legen. Vielleicht können Sie sich zu diesem Thema auch mit anderen Unternehmen vernetzen.
  • Schließlich kann auch die Entwicklung eines Mentoring-Programms mit erfahrenen Mitarbeitenden den Start der neu eingestellten Auszubildenden oder Fachkräfte in Ihrem Unternehmen erleichtern.

Weiterführende Informationen zur Umsetzung von Diversity in Unternehmen finden Sie bei der IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung sowie auf der Seite Interkulturelle Vielfalt in Unternehmen. Konkrete Tipps, Anregungen und Diversity Trainings gibt das IQ Projekt Diversity Management.  

Tipp: Angebote zur berufsbezogenen Deutschförderung

Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mit Migrationshintergrund, die noch über geringe Deutschkenntnisse verfügen, können Sie und Ihre Stammbelegschaft den Einstieg erleichtern, indem sie ihnen mit einer leicht verständlichen Sprache im Unternehmen begegnen. Gelingt es, den Betrieb zum Lernort für Deutsch zu machen, haben Sie eine der wichtigsten Integrationsetappen gemeistert. Hilfreich kann hier ein Sprachmentor sein, ein fester Kollege oder eine feste Kollegin, an den sich Migrant/-innen mit Fragen zur Fach- und Umgangssprache im Unternehmensalltag wenden können. Denkbar ist auch, dass diese/r Kolleg/-in regelmäßig den korrekten Gebrauch von Wendungen und Umgangsformen mit den neuen Mitarbeiter/-innen wiederholt oder gemeinsam mit ihnen E-Learning-Angebote nutzt.

Beratung und Informationen zum Thema "Deutsch lernen im Betrieb " erhalten Sie beim IQ Teilprojekt "Berufsbezogenes Deutsch".

Eine weitere Möglichkeit, die berufsbezogenen Deutschkenntnisse auszubauen, bietet das ESF-BAMF-Programm "Berufsbezogenes Deutsch". Nähere Informationen erhalten Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie in der