Arbeitsmarktzugang für Geflüchtete

Ob Geflüchtete und Asylsuchende in Deutschland arbeiten dürfen, ist vor allem von ihrem Aufenthaltsstatus und ihrer Aufenthaltsdauer in der Bundesrepublik abhängig. Personen, die eine Aufenthaltserlaubnis haben, dürfen ohne die Zustimmung der Agentur für Arbeit (keine Vorrang- oder Lohnprüfung) als Beschäftigte oder auch selbstständig in Deutschland arbeiten. In manchen Fällen ist hier lediglich die (formale) Zustimmung der Ausländerbehörde erforderlich (siehe Tab. 1). 

Personen mit einer Aufenthaltsgestattung, einem Ankunftsnachweis (ehemals "BüMA" - Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender), einer Duldung oder einer Duldungsfiktion dürfen - je nach Beschäftigungsart - sofort oder nach einer bestimmten Zeit in Deutschland arbeiten.

>> Zugang zur Beschäftigung mit Duldung, Aufenthaltsgestattung oder Ankunftsnachweis/BüMa (Stand 08/2016) 

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Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis

Tab. 1: Arbeitsmarktzugang für Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis​ 

Aufenthaltserlaubnis
 
Aufenthaltsgrund / Zielgruppe
 
Beschäftigung
(nicht selbstständig)
Selbstständigkeit
 
§ 22 Satz 1 AufenthG Aufnahme aus dem Ausland aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen ja
(AB)
ja
(AB)
§ 22 Satz 2 AufenthG Aufnahme aus dem Ausland zur Wahrung politischer Interessen

 ja

ja
§ 23 Abs. 1 AufenthG Aufenthaltsgewährung durch Landesbehörden (z.B. Bleiberechtsregelungen, Länderaufnahmeprogramme) ja
(AB)
ja
(AB)
§ 23 Abs. 2 AufenthG Jüdische Zuwanderer, irakische und syrische Kontingentflüchtlinge

ja

ja
§ 23 Abs. 4 AufenthG Geflüchtete, die im Rahmen eines Resettlement-Programmes nach Deutschland kommen ja ja
§ 23a AufenthG Aufenthaltsgewährung in Härtefällen nach Ersuchen der Härtefallkommission ja
(AB)
ja
(AB)
§ 24 AufenthG Aufenthalt zum vorübergehenden Schutz für Massenfluchtsituationen  ja
(AB)
ja
(muss auf Antrag erlaubt werden)
§ 25 Abs. 1 AufenthG

Asylberechtigte gem. Artikel 16a GG

ja ja
§ 25 Abs. 2 AufenthG Anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention oder internationalem subsidiärem Schutz ja ja
§ 25 Abs. 3 AufenthG Nationaler, subsidiärer Schutz ja
(AB)
ja
(AB)
§ 25 Abs. 4 Satz 1 AufenthG Vorübergehender Aufenthalt aus dringenden humanitären oder politischen Gründen bis zu sechs Monaten ja
(AB)
ja
(AB)
§ 25 Abs. 4 Satz 2 AufenthG Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis zur Vermeidung eines Härtefalls ja
(AB)
ja
(AB)
§ 25 Abs. 4a AufenthG Opfer schwerer Straftaten wie Menschenhandel oder Zwangsprostitution, die vor Gericht als Zeugen aussagen ja
(AB)
ja
(AB)
§ 25 Abs. 4b AufenthG Opfer illegaler Arbeitsausbeutung, die als Zeugen vor Gericht aussagen ja
(AB)
ja
(AB)
§ 25 Abs. 5 AufenthG Personen, die unverschuldet ab der Ausreise gehindert sind ja
(AB)
ja
(AB)
§ 25a Abs. 1 AufenthG gut integrierte Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 20 Jahren, die zuvor geduldet wurden, seit min. vier Jahren die Schule in D. besuchen oder einen dt. Schulabschluss haben ja ja
§ 25a Abs. 2 AufenthG Eltern gut integrierter Jugendlicher und junger Erwachsener (siehe ↑) ja ja
§ 25b AufenthG Geduldete Personen, die sich seit min. sechs Jahren (mit minderjährigen Kindern) bzw. acht Jahren (ohne minderjährige Kinder) in D. aufhalten und ihren Lebensunterunterhalt überwiegend durch Erwerbstätigkeit sichern ja ja

Legende:
AB = formale Erlaubnis der Ausländerbehörde ist erforderlich

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Praktikum, Hospitation, betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen, Ehrenamt und mehr

Wenn geflüchtete Personen in Deutschland ein Praktikum machen möchen, gibt es Einiges zu beachten. Abhängig davon, in welchem Rahmen das Praktikum absolviert werden soll (z.B. Schule, Studium, Hospitation, Ehrenamt, Qualifizierungsmaßnahme), muss ggf. eine Arbeitserlaubnis beantragt und die Zustimmung der Arbeitsagentur eingeholt werden. Eine sehr umfangreiche und detaillierte Übersicht zum Thema Praktika für Menschen mit mit Duldung oder Aufenthaltsgestattung hat unser Kollege Claudius Voigt von der GGUA Flüchtlingshilfe erstellt:

>> Übersicht: Praktika für Menschen mit mit Duldung oder Aufenthaltsgestattung (Stand 01/2016)

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Erleichterter Abreitsmarktzugang für traumatisierte Flüchtlinge 

Für traumatisierte Flüchtlinge, die in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung sind, gibt es eine 
Härtefallregelung, die den Zugang zum Arbeitsmarkt aus therapeutischen Gründen erleichtert. Ein Beispiel einer Stellungnahme finden Sie hier. (Informationen des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V.)

Weitere Publikationen und Links zum Thema finden Sie in der  Logo Infothek.

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