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Gesichter und Geschichten aus zehn Jahren IQ

Tatsächlich haben wir ein paar Urgesteine im Projekt. Sechs Kolleginnen und Kollegen sind von Anfang an dabei. Sie haben das IQ Netzwerk in Niedersachsen mit aufgebaut und alle Entwicklungen der letzten zehn Jahre miterlebt. Hier erzählen sie, was sie besonders bewegt hat, welche Momente ihnen in Erinnerung geblieben sind und was sie an der Arbeit bewegt.

Claudius, du als unser Rechtsexperte, was hat sich in den letzten zehn Jahren auf rechtlicher Ebene getan?

"Rechtlich hat sich in den letzten zehn Jahren ganz viel getan: Von 2011 bis 2015 wurden viele Verbesserungen – gerade für Geflüchtete – im Gesetz eingeführt (z. B. Erleichterungen beim Arbeitsmarktzugang). Danach hat es sich leider stark verändert: Es gab zunehmend populistische Stimmungsmache gegen Migrant*innen und Geflüchtete sowie rechte Hetzkampagnen. Erst 2019 gab es wieder einzelne Verbesserungen – z. B. wurde der Zugang zu den Leistungen der Ausbildungsförderung für Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit erheblich erleichtert. Die Entwicklung danach war widersprüchlich: Für Geflüchtete wurden die Gesetze immer weiter verschärft, für Fachkräfte geöffnet. Was aber die ganze Zeit geblieben ist, ist ein großes ehrenamtliches Engagement einer starken Zivilgesellschaft."

Claudius Voigt, GGUA e.V.
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Yulyane, welchen Stellenwert hat das Thema Diversity?

"Diversity ist - zumindest in seinen einzelnen Dimensionen - ja gerade in aller Munde. Ob es der Gender-Pay-Gap ist, die Frage der Generationengerechtigkeit oder das Thema Zuwanderung - die gesellschaftlichen Diskurse drehen sich seit einigen Jahren zunehmend um Fragen gesellschaftlicher Vielfalt. Gerade weil hier eben vieles noch nicht ausdiskutiert ist, sind unsere Trainings eine tolle Gelegenheit, neue Ideen auszutauschen und den einen oder anderen Stein ins Rollen zu bringen. Diversity Management, das merken wir in unseren Trainings, Workshops und Beratungsprozessen, ist in vielen Einrichtungen mittlerweile fester Bestandteil einer Einarbeitung."

Yulyane Korkmaz, RKW Nord GmbH
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Herr Hirschner, wie denken Sie über zehn Jahre Netzwerkarbeit in IQ? Wie wirkt sich die Arbeit von IQ auf die IHK als Gesamtorganisation aus?

"Integrationsarbeit funktioniert am besten, wenn alle Akteure eng kooperieren. Die Bedeutung von IQ im Bereich der Beratung zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse hat mit der Fokussierung auf die Qualifizierung noch zugenommen. Bei vielen Unternehmen besteht eine hohe Bereitschaft, Menschen mit ausländischen Qualifikationen einzustellen. Damit sie es dann auch tun, benötigen sie noch mehr konkretes Wissen zum Anerkennungsverfahren und dessen Vorteile und Nutzen. Und hier befruchten sich IQ Arbeit und die der IHK gegenseitig. Gemeinsam kann die Sensibilisierung von Unternehmen für die Zielgruppe noch besser vorangetrieben und der Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt substantieller gestaltet werden. Auf diese Weise merken Unternehmen schnell, welche Chancen die Berufsanerkennung bietet."

Arne Hirschner, Industrie- und Handelskammer Hannover
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Ilse, welche Hürden habt ihr erfolgreich gemeistert? Und wie hat sich die Anerkennungsberatung in einer Dekade weiterentwickelt?

"Die Wege zur beruflichen Anerkennung sind klarer und die Institutionen haben sich sehr gut etabliert. Eine Hürde, die wir immer wieder meistern, ist der Spagat zwischen einer herzlichen und dennoch neutralen Einstellung zu den einzelnen ratsuchenden Personen. Wir versuchen eine professionelle Distanz zu wahren. Unser Anspruch ist es, die Ratsuchenden ausreichend zu informieren, sodass sie für sich selber eine gute Entscheidung treffen können."

Ilse Varchmin, Landkreis Leer
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Falk, was ist dir aus zehn Jahren Trainertätigkeit in besonderer Erinnerung geblieben?

In besonderer Erinnerung ist sicherlich die Zeit der sog. „Interkulturellen Grundsensibilisierung (IGS)“ für Mitarbeitende der niedersächsischen Jobcenter. In dieser Zeit war es möglich, einen Einblick in die gesellschaftliche „Befindlichkeit“ in Bezug auf Migration und Hilfsbereitschaft zu bekommen. Von vollständiger Ablehnung, die auch persönlich mitgeteilt wurde und ihre Gründe vermutlich in Rassismus/Xenophobie wie auch teilweise irrationaler Angst hatte, ging das Spektrum über achselzuckende Teilnahmslosigkeit hin bis zu großem menschlichen und materiellem Engagement. So konzentriert die Stimmungsschwankungen zu erleben, ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Das bildet auch heute noch einen wesentlichen Antrieb für meine Tätigkeit als Berater und Diversity Trainer im IQ Netzwerk Niedersachsen."

Falk Spörlein, RKW Nord GmbH
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Katharina, du als Anerkennungs- und Qualifizierungsberaterin, was sind deine Highlights aus zehn Jahren IQ?

"Meine Highlights sind mit Abstand die dankbaren Rückmeldungen einzelner ratsuchender Personen. Ich finde es toll, die Menschen in ihrem beruflichen Kontext im Alltag anzutreffen und zu sehen, dass sie ihr berufliches Ziel erreicht haben. Außerdem hat sich unsere IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung etabliert. Sie ist mittlerweile eine feste kompetente Institution in der Region. Es ist toll, dass wir unsere Arbeit unter Führung selbst gestalten können und unser Leitbild sowie Standards selbst entwickelt haben."

Katharina Loose, BUS GmbH
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