Zum Inhalt springen

Sie sind hier:

5 Fragen an: Julia Michaux-Stander

"Sie dabei zu unterstützen, ist für mich eine Berufung [...]."

Wie bist du zum IQ Teilprojekt gekommen und was machst du da eigentlich?

Ich bin Julia Michaux-Stander und arbeite seit April 2016 beim Institut für Berufliche Bildung als Online-Dozentin und bin so in das IQ Projekt "Virtuelle sprachliche Qualifizierung für Pädagog*innen" reingerutscht. Da es in Niedersachsen viele Migranten gibt, die ihren pädagogischen Beruf anerkennen lassen wollen, diese aber in dem Flächenland weit verteilt sind, war es schwierig eine Qualifizierung vor Ort zu organisieren. So hat man sich schon damals - lange vor Corona-Pandemie und Abstandsregeln - für die Online-Variante entschieden.

 

Was gefällt dir ganz besonders an deinem Job als Online-Dozentin?

Die Zusammenarbeit mit der Zielgruppe (Lehrer*innen und Pädagog*innen, die das C1 Niveau erreichen wollen) hat mir von Anfang an großen Spaß gemacht. Wir haben immer spannende Themen und auch ich kann ständig etwas Neues dazu lernen, da sich die Möglichkeiten im E-Learning rasend schnell entwickeln.

Außerdem ist viel Motivationstalent und Feinfühligkeit gefragt, denn ausländische Lehrerinnen und Lehrer haben es mit der Anerkennung ihres Berufes in Deutschland häufig schwer, trotz Lehrermangel und langjähriger Berufserfahrung. Sie brauchen einen langen Atem und müssen ihr Ziel mit großer Leidenschaft verfolgen. Sie dabei zu unterstützen, ist für mich eine Berufung - und auch eine persönliche Herausforderung. Da ich selbst viele Jahre im Ausland gelebt und dort auch an Schulen unterrichtet habe, kann ich mich gut mit ihnen und ihren Schwierigkeiten identifizieren.

 

Was hat sich über die Jahre an deiner Tätigkeit verändert und in wie weit hat sich die Covid-Pandemie auf deine Arbeit ausgewirkt?

Inzwischen mache ich nicht mehr nur den Unterricht, sondern kümmere mich auch mit dem tollen Team unserer Fachabteilung um die Koordination und die didaktische Planung. Das Gesamtpaket ist sehr abwechslungsreich. Für den Unterricht versuche ich immer wieder neue Inhalte zu planen. In den vergangenen zwei Jahren haben wir eine Vielzahl an asynchronen Inhalten für unsere Lernplattform entwickelt, damit die Teilnehmenden sich selbst neben dem Live-Unterricht noch individueller und in ihrem eigenen Tempo fortbilden können. Zudem lade ich ab und zu Gastdozenten aus verschiedenen pädagogischen Berufen in den Unterricht ein. In einem vergangenen Kurs haben wir in Kooperation mit der Universität Erlangen-Nürnberg ein Tandem-Projekt organisiert. Sprich - jeder Teilnehmende hat einen Lehramtsstudierenden als Tandempartner zugewiesen bekommen. So kann ein individueller, fachlicher aber auch persönlicher Austausch stattfinden. Durch Corona hat sich an meiner Tätigkeit gar nicht so viel verändert. Für mich persönlich ist der Online-Unterricht nach wie vor eine tolle Möglichkeit, überhaupt unterrichten zu können. Trotzdem vermissen wir alle schmerzlich unsere Präsenzwochenenden, die wir seit letztem Jahr nicht mehr durchführen können.

Was ist für dich wichtig an deinem Job?

Authentizität. Ich möchte im Unterricht kein "Programm abspulen", sondern immer wieder neu auf die Teilnehmenden und die entstehende Gruppendynamik eingehen. Die Menschen, die in meinem Heimatland diesen steinigen Weg der Anerkennung gehen, verdienen höchsten Respekt. Und doch möchte ich ihnen auch realistische Vorstellungen vermitteln. Sie müssen als Lehrer*in oder Erzieher*in sehr hart an ihrer Sprache arbeiten. Vor einer Klasse oder einer Elterngruppe zu stehen, ist härter als jeder Sprachtest.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich würde mir wünschen, dass es bald fachsprachliche Sprachtests für die Berufsgruppe Lehrer und Pädagogen gibt, sowie es auch für Mediziner und Pflegekräfte jetzt schon der Fall ist. Im Moment müssen nämlich alle allgemeinsprachliche Tests ablegen und eine Vielzahl von Themen "büffeln", auch wenn das für den späteren Beruf nicht relevant ist. Für die ausländischen Pädagog*innen wäre es sinnvoller, wenn sie sich auf die Berufssprache konzentrieren könnten und auch ohne Anerkennung schon mehr Training-on-the-Job machen dürften. Gerade in Zeiten der Pandemie brauchen wir Unterricht und Betreuung in Kleinstgruppen und da sollte jede pädagogische Fachkraft willkommen sein!

Zurück zum Seitenanfang