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5 Fragen an Rainer Bußmann

Projektleiter des IQ Netzwerks Niedersachsen

1. Wie müssen wir uns deine tägliche Arbeit als Projektleiter im IQ Netzwerk vorstellen?

Meine tägliche Arbeit führt mich regelmäßig durch ganz Niedersachsen zu Veranstaltungen und Besprechungen mit ganz unterschiedlichen Partnern. Gefühlt kenne ich daher jeden Bahnhof des Landes. Natürlich gehören auch typische Bürotage dazu, aber auch dabei erlebe ich fast täglich Überraschungen, häufig durch Anfragen von Verwaltungsstellen oder Arbeitgebern. Insbesondere im Bereich der Arbeitgeberanfragen merken wir dabei ganz deutlich, dass der Fachkräftemangel in Niedersachsen längst angekommen ist.

2. Wie zufrieden bist du mit dem Verlauf der letzten IQ Förderphase 2015 – 2018?

Mit den Ergebnissen der letzten Förderphase bin ich sehr zufrieden, denn wir haben in Niedersachsen unsere gesteckten Ziele erreicht und zum Teil sogar deutlich übertroffen. In Niedersachsen verfügt das IQ Netzwerk über eine flächendeckende Beratungsstruktur im Bereich der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung. Von unseren 14 Beratungsstellen wurden alleine in 2018 fast 15.000 individuelle Beratungen durchgeführt. Außerdem wurden in dieser Zeit erstmals berufsqualifizierende Maßnahmen von uns entwickelt und erprobt. Als Beispiele wären hier der Bereich der Anpassungsqualifizierungen für Gesundheits- und Krankenpflegekräfte oder Angebote für Ingenieurinnen/Ingenieure sowie Lehrerinnen/Lehrer zu nennen. Aktuell arbeiten wir daran, dass einige Maßnahmen in die Regelförderung überführt werden.

Aber auch im Bereich der Schulung von verschiedenen Arbeitsmarktakteuren waren wir überaus erfolgreich. Neben der Qualifizierung von vielen Mitarbeitenden der Jobcenter und Arbeitsagenturen hatten wir auch Gelegenheit, unsere Angebote beispielsweise im Bereich Diversity Management auf Unternehmen auszuweiten.

3. Was ist deine wichtigste Erinnerung an die letzte Förderphase 2015 – 2018?

Ob es die wichtigste Erinnerung ist, ist schwer zu sagen, aber noch ganz frisch im Gedächtnis ist bei mir der Tag der offenen Tür im Herbst 2018 bei unseren Teilprojekten der Volkshochschule Braunschweig. An diesem Tag hatten mehrere Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit, ihre sehr persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse hinsichtlich ihres Berufswegs in Deutschland darzustellen.

Eine Bauingenieurin aus Polen schilderte dabei sehr eindrucksvoll, wie schwer es ihr fiel, sich im Beruf auf Deutsch zu verständigen, und zwar weniger, weil sie die Sprache grundsätzlich nicht beherrschte, sondern vielmehr weil ihr z.B. Floskeln unbekannt waren, sie Gesprächssituationen nicht richtig einschätzen konnte oder sie sich teilweise einfach nicht richtig zu sprechen getraut hat. Die Volkshochschule Braunschweig hat in den vergangenen vier Jahren zur Unterstützung genau solcher Personen – teilweise direkt am Arbeitsplatz – ein Sprachmentoring entwickelt. Über den Zeitraum von fast 14 Monaten wurde diese Bewerberin intensiv betreut und begleitet und wenn man so will auch gecoacht. Nachdem auch ihren Vorgesetzten die verbesserten kommunikativen Fähigkeiten aufgefallen waren, wurde auch ihre fachliche Kompetenz anders eingeschätzt. Sie erhielt daher die Möglichkeit, statt weiterhin als Produktionshelferin zu arbeiten, in die technische Abteilung zu wechseln und leitet heute dort eigenverantwortlich Bauprojekte der Firma.

4. Wodurch zeichnet sich die neue Förderphase 2019 – 2022 im IQ Netzwerk aus?

Ich stehe hier noch unter dem Eindruck des Antragsverfahrens und dem damit verbundenen erheblichen administrativen Aufwand für alle Beteiligten. Positiv ist anzumerken, dass es uns gelungen ist, die vorhandene Struktur weitgehend zu erhalten. Dadurch sind wir in der Lage mit gut eingearbeiteten, kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die an uns gestellten Aufgaben zu erfüllen. Gleichzeitig wird uns z.B. das Fachkräfteeinwanderungsgesetz vor ganz neue Herausforderungen stellen, sodass wir darauf sicherlich unser Augenmerk in den kommenden vier Jahren richten müssen.

5. Wie genau wird sich das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf die Arbeit vom IQ Netzwerk auswirken?

Das Bundesarbeitsministerium hat beschlossen, dass als zusätzlicher Handlungsschwerpunkt das geplante Gesetz von den IQ Netzwerken begleitet werden soll. Wir rechnen damit, dass dadurch ganz neue Anforderungen insbesondere an die Arbeitgeberberatung gestellt werden. Die Einwanderung von Drittstaatsangehörigen in Deutschland war bisher eher die Ausnahme und nur für wenige Personen überhaupt möglich. Künftig soll sie forciert und für alle Fachkräfte – nicht nur in den sog. Mangelberufen – ein rechtlicher Anspruch auf Aufenthalt und zum deutschen Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Es ist zu erwarten, dass sich viele Unternehmen daher erstmals mit Fragen, wie z.B. zur Rekrutierung ausländischer Bewerberinnen und Bewerber, den für eine Anerkennung der Berufsabschlüsse erforderlichen Dokumenten, aber auch der Vermittlung von (Fach)-Sprachkenntnissen oder der Frage nach der sozialen Integration von ganzen Familien beschäftigen müssen.

Diese wenigen Fragen zeigen schon ganz deutlich, dass der Beratungsbedarf für die Betriebe sehr groß sein wird. Um sie adäquat mit dem Know-how des gesamten IQ Netzwerks zu unterstützen haben wir deshalb in Niedersachsen die „Servicestelle Fachkräftesicherung“ eingerichtet. Aber auch z.B. unsere Anerkennungsberatungsstellen werden sich auf geänderte Anfragen einrichten müssen, da ein anerkannter Berufs- bzw. Studienabschluss eine der Einreisevoraussetzungen sein soll.

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