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Internationale Fachkräfte in medizinischen Berufen

Lüneburg

IQ Beratungsnetzwerk traf sich zum 8. Workshop in der IHK Lüneburg.

Der Fachkräftemangel in medizinischen Berufen ist längst in unseren Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Zahnarztpraxen angekommen. Es wird zunehmend schwerer, qualifiziertes Personal zu finden. Auf dem Workshop berichteten Fachberatende, eine Ausbilderin und eine Personalreferentin über die Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland, den Prozess der Anerkennung und Qualifizierung von internationalen Pflegenden sowie über die Integration und den Arbeitsalltag in der Klinik oder Pflegeeinrichtung vor Ort.

Am 25. September 2018 wurde in der Industrie- und Handelskammer Lüneburg der 8. Workshop des IQ Beratungsnetzwerks durchgeführt. Die Teilnehmenden aus ganz Niedersachsen kamen mit den gleichen Erfahrungen an: Zu wenige Fachkräfte auf dem regionalen Arbeitsmarkt für zu viele zu besetzende Stellen. Es gibt Schätzungen, dass bis ins Jahr 2030 fast 55.000 Fachkräfte fehlen könnten. Die Bundesagentur für Arbeit hat Zahlen veröffentlicht, aus denen hervor geht, dass auf vier offene Stellen in der Pflege nur eine arbeitslose Fachkraft kommt. Aufgrund der Dringlichkeit gibt es nun bereits unterschiedlichste Ansätze, Lösungsversuche und Herangehensweisen für den Fachkräftemangel. Im Workshop wurde das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Im Zentrum stand die Frage, wie die zahlreichen Stellen mit internationalen Fachkräften nachhaltig besetzt werden könnten.

Fachkräfte aus dem Ausland

Im ersten Beitrag wurde ein Pilotprojekt der IHK Lüneburg-Wolfsburg in Kooperation mit der Firma Mediko Hire GmbH vorgestellt. Der Fokus lag darauf, Pflegekräfte aus Rumänien anzuwerben und in eine langfristige Tätigkeit in Deutschland zu bringen. Acht Unternehmen nahmen bei dem Projektstart 2015 teil sowie 24 Fachkräfte aus Rumänien. Die Erfahrungen, die Herr Lars Heidemann von der IHK vorstellte, waren durchweg positiv. Die vertragliche Bindung der Fachkräfte bestand zu Beginn mit dem Dienstleister Mediko Hire GmbH und ist in einigen Fällen auch in eine Festanstellung beim jeweiligen Betrieb gemündet. Durch den Mangel vor Ort wurde die Zuwanderung als ein möglicher Lösungsansatz vorgestellt. Da die Zuwanderung aus einem EU-Staat erfolgte, gab es kaum Schwierigkeiten mit der Anerkennung der Ausbildung der teilnehmenden Fachkräfte.

Anerkennung und Qualifizierung ausländischer Fachkräfte

Eine weitere Option ist es, Fachkräfte, die außerhalb der Europäischen Union ihre Ausbildung oder Studium absolviert haben, über zielgerichtete Beratung und Qualifizierung für eine Tätigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Von dem Zuzug nach Deutschland bis hin zur Anerkennung kann jedoch ein langer Zeitraum vergehen, berichtete Ajdin Cogo (RKW Nord GmbH): „Es gibt in Deutschland strikte Regelungen zu den Anerkennungsverfahren. Die Zuwanderung aus dem Europäischen Ausland bzw. aus einem EU-Staat/Europäischen Wirtschaftsraum ist nicht so stark reglementiert wie beispielsweise die Zuwanderung und Arbeitsaufnahme aus einem Drittstaat.“ Das IQ Netzwerk hat bereits ein weites Netz an Beratungsstellen in Niedersachsen gespannt, die über die Verfahren und Kosten aufklären. Katja Kalkowski, IWK, erklärte in ihrem Vortrag die Unterscheidung der grundlegenden Qualifizierungsmöglichkeiten: Es gibt zwei Möglichkeiten, die die zugewanderte Fachkraft absolvieren muss. Zum einen gibt es die Option einer Ausgleichsmaßnahme, die individuell auf die auszugleichenden Kenntnisse der Fachkraft angepasst sind. Diese Maßnahmen dauern aber häufig mehrere Monate, um die fehlenden Kenntnisse nachzuarbeiten. Diese Option wird nicht häufig gewählt. Zum anderen gibt es die Option auf eine Kenntnisprüfung, die die Fähigkeiten und das Fachwissen überprüft. Beim IWK gibt es einen speziellen Lehrgang, der auf diese Prüfung vorbereitet.

Betriebliche Integration von Pflegekräften

Doch natürlich gibt es nicht nur Schwierigkeiten in der Besetzung der Stellen oder im Anerkennungsverfahren. Die Fachkräfte stehen vor Ort vor vielen Hürden: Sie kommen alleine nach Deutschland und – zum Großteil – erst einmal ohne soziales Umfeld oder Freunde und Familie. Ariane Tobisch, Personalreferentin KerVita Seniorenzentren, berichtete von ihren Erfahrungen in der Anwerbung und Integration der Fachkräfte in ihren Einrichtungen. Die Betriebe sollten darauf vorbereitet sein, dass eine intensive Einarbeitung unabdingbar ist, ebenso wie das Aufzeigen von weiteren Möglichkeiten der Integration vor Ort wie z.B. durch gemeinsame Aktivitäten. Eine nachhaltige Integration und eine längerfristige Anstellung gehen Hand in Hand.

…und in Zukunft?

Der Workshop profitierte von Teilnehmenden aus den verschiedensten Bereichen der Wirtschaft, Pflege und Beratung. Es konnte ein Austausch zu den Erfahrungen der Einzelnen in den niedersächsischen Regionen stattfinden. Eine Lösung muss auf die Bedarfe vor Ort angepasst sein. 

Weiterführende Informationen:

Factsheet Mediendienst Integration:
https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Zugewanderte_Aerzte_und_Pflegekraefte.pd

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