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Ist Schach mehr als ein Brettspiel?

Ein Interview mit der armenischen Schach- und Sportlehrerin Marine Zschischang

In Deutschland wird Schach vornehmlich als Hobby angesehen, das manchmal auch als AG in Schulen angeboten wird, aber nicht als Unterrichtsfach. In Armenien hingegen ist Schach in der Grundschule ab der zweiten Klasse ein Pflichtfach. Daher gibt es einen entsprechenden Studiengang, den auch Marine Zschischang am Sportinstitut studiert hat. Einen vergleichbaren Studiengang in Deutschland gibt es nicht. Und es ist auch sehr schwer vorstellbar, Schach an einer deutschen Hochschule zu studieren, denn es ist hierzulande immer noch ein „Spiel“, das man als Sport in der Freizeit ausüben kann.

In Armenien hat Schach einen gänzlich anderen Stellenwert und ist viel mehr als „nur“ ein Brettspiel. Es soll die Motivation der Schüler*innen steigern und Fähigkeiten, wie Rechnen, Lese- und Sprachfähigkeit, Konzentration, räumliches Denken und Sozialkompetenz, begünstigen. Außerdem fördert Schach nicht nur lernschwache Schüler*innen, sondern ist für alle von Nutzen. Jüngere und ältere Menschen begegnen sich im Schach schnell auf Augenhöhe. „Ein Zehnjähriger kann gegen einen Achtzigjährigen spielen und gewinnen“, erklärt Zschischang.

Die gebürtige Armenierin ist nicht nur Diplom-Sportlehrerin, sondern auch mehrfache armenische Meisterin, deutsche Schach-Ländermannschaftsmeisterin und deutsche Vizemeisterin im Schnellschach. Sie absolvierte beim Institut für Berufliche Bildung AG (IBB) eine sprachliche Qualifizierung speziell für Lehrer*innen aus dem Ausland. Die Teilnahme am Kurs gab ihr das entscheidende Selbstvertrauen, sich beruflich wieder im pädagogischen Bereich zu engagieren, berichtet sie im gemeinsamen Interview von IQ Netzwerk und IBB.

Marine Zschischang kam 1997 als Au-pair nach Deutschland und hat in Armenien Schach und Sport auf Lehramt studiert. Nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Fitnessbereich entschied sie sich ihren ausländischen Abschluss als Sportlehrerin in Deutschland anerkennen zu lassen und wurde von der Agentur für Arbeit an die zuständige IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstelle in Soltau verwiesen. Dort wurde sie bei der Anerkennung ihres ausländischen Abschlusses unterstützt und ihr gleichzeitig eine fachsprachliche Qualifizierung im IQ Netzwerk ermöglicht.

Bis heute ist Marine Zschischang in Deutschland in mehreren Vereinen tätig und trainiert Kinder. U.a. bereitete sie auch Schüler*innen bis zur Teilnahme an Weltmeisterschaften vor. Seit Abschluss der Qualifizierung arbeitet sie als Schulbegleiterin und betreut ein Kind mit Down-Syndrom. „Man denkt immer, man muss unglaublich klug sein zum Schachspielen, aber das stimmt nicht“, betont die Schachlehrerin. Solange die Grundregeln richtig erklärt werden, können Kinder sie auch schnell anwenden.

Das spannende Interview "Zwischen Beruf und Berufung - Eine Kursteilnehmerin berichtet" von Marine Zschischang können Sie hier nachlesen.

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