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Legt das Coronavirus die Fachkräftezuwanderung lahm? (Aktualisiert)

Seit dem 17. März 2020 sind die EU-Außen- und viele EU-Binnengrenzen vorübergehend geschlossen. Wir aktualisieren laufend unsere Übersicht, welche Auswirkungen die zahlreichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften haben.

Die Vernetzung unserer modernen Welt ist in diesen Tagen Fluch und Segen zugleich. Während das Coronavirus weiterhin ohne Papiere, Visum und Verkehrsbeschränkungen um die Welt reist, sind die Migrationsbewegungen von Menschen nahezu zum Stillstand gekommen. Botschaften bearbeiten vielerorts nur noch Notfälle, Grenzen sind geschlossen, Flüge gestrichen.

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland?

Die gute Nachricht vorweg: Drittstaatsangehörige, die bereits ein längerfristiges Visum (z.B. zur Arbeitsaufnahme oder zur Anerkennung) für einen Aufenthalt von mehr als 90 Tagen haben, dürfen nach Deutschland einreisen. Das gilt allerdings nur, wenn sie sie zu dem Ort ihres gewöhnlichen Aufenthalts zurückkehren! Sie sind vom vorübergehenden Einreisestopp in den Schengen-Raum, der zunächst bis zum 15. Mai 2020 gilt, ausgenommen. Dieser erfasst neben den 27 EU-Staaten auch Norwegen, die Schweiz, Liechtenstein und Island.

Generell gilt jedoch, dass Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland aktuell kaum Möglichkeiten zur Einreise nach Deutschland haben. Dafür benötigen sie nämlich ein Visum, das vorab bei einer deutschen Auslandsvertretung beantragt werden muss. Aufgrund des Coronavirus sind viele Botschaften und Konsulate zurzeit jedoch nur eingeschränkt erreichbar, haben ihre Visastellen geschlossen oder bearbeiten nur noch Notfälle. Betroffene sollten sich vorab beim Auswärtigen Amt über die Situation vor Ort informieren.

Zusätzlich stellt sich für ausländische Fachkräfte, die zum Ort ihres gewöhnlichen Aufenthaltes in Deutschland zurückkommen wollen, die Frage, wie sie Deutschland erreichen sollen. Fluggesellschaften haben viele Flüge gestrichen und einige kleinere Flughäfen wurden ganz geschlossen. Hier ist Flexibilität gefragt, auch von Seiten der hiesigen Unternehmen: Statt in Hannover muss die ausländische Kollegin nun vielleicht in Frankfurt oder Berlin abgeholt werden.

Zusätzlich zum vorübergehenden Einreisestopp in die EU hat die Bundesregierung auch die Kontrollen an einigen Binnengrenzen bis einschließlich 15. Mai 2020 verlängert. Weiterhin möglich ist der grenzüberschreitende Warenverkehr sowie der grenzüberschreitende Verkehr von Berufspendlern.

Drittstaatsangehörige, bei denen das Zuwanderungsvorhaben noch nicht so konkret ist, können mittlerweile wieder aufatmen: Die Hotline "Arbeiten und Leben in Deutschland", die sich an Zuwanderungsinteressierte richtet, hat ihre Arbeit in der Zwischenzeit wieder aufgenommen. Das gleiche gilt für die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB), die wieder Neuanträge auf Bewertung des ausländischen Hochschulzeugnisses annimmt. Allerdings kann es weiterhin zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anfragen sowie der Ausstellung von Zeugnisbewertungen und dem Postversand kommen. Viele zuständige Stellen für die Bearbeitung von Anerkennungsanträgen sind weiterhin nur eingeschränkt erreichbar. Das Anerkennungsportal bietet eine Übersicht der erreichbaren Stellen.

Zugewanderte, die kürzlich mit einem längerfristigen Visum eingereist sind, müssen dieses bei der zuständigen Ausländerbehörde in eine Aufenthaltserlaubnis umschreiben lassen. Dabei müssen sie die eingeschränkten Öffnungszeiten vieler Behörden berücksichtigen. Die Ausländerbehörde der Region Hannover hat z.B. alle persönlichen Sprechzeiten eingestellt, ist jedoch wieder telefonisch und per E-Mail erreichbar. Ähnliches gilt für die Ämter in Braunschweig, Oldenburg und Osnabrück. An wen sich Zugewanderte wenden können, erfahren sie auf der Webseite der Kommunalverwaltung oder telefonisch bei der Ausländerbehörde.

Auch Personen, die aufgrund der Coronokrise nicht in ihr Heimatland zurückkehren können, sollten sich zeitnah an die Ausländerbehörde wenden. Das Niedersächsische Innenministerium hat die Ausländerbehörden darauf hingewiesen, dass Schengen-Visa oder andere Aufenthaltstitel zu verlängern sind, „soweit Betroffene glaubhaft vortragen, wegen der Folgen der Coronakrise derzeit nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren zu können.“ Das Ministerium habe „keine Bedenken, den Inhabern zeitlich ablaufender Aufenthaltstitel, Aufenthaltsgestattungen oder Duldungen eine entsprechende Bescheinigung auszustellen, dass ihr Aufenthalt bis zur Wiederaufnahme des Dienstbetriebes der Ausländerbehörde weiterhin als erlaubt, gestattet oder geduldet gilt.“

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