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Zwei Physiotherapeuten für Niedersachsen

Frau Jaber und Herr Haidar konnten durch das IQ Netzwerk ihre Anerkennung als Physiotherapeuten verwirklichen

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sind begehrt – nicht nur bei Patienten, die z.B. nach Unfällen Unterstützung bei der Mobilisierung benötigen, sondern auch bei Arbeitgebern. Der Bedarf ist so groß, dass „Physiotherapie“ zu den sog. „Mangelberufen“ gehört, d.h. die Bundesagentur für Arbeit hat festgestellt, dass es nicht ausreichend Fachkräfte in diesem Bereich gibt, auch in Niedersachsen nicht.  

Seit Januar dieses Jahres gibt es allerdings wieder zwei Fachkräfte mehr: Frau Jaber und Herrn Haidar. Beide konnten mit Hilfe des IQ Netzwerks ihre Anerkennung als Physiotherapeuten verwirklichen und somit ab sofort wieder Patientinnen und Patienten unterstützen.

Das Ehepaar aus Syrien wurde zunächst bei der IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstelle in Osnabrück über das Anerkennungsverfahren informiert. Dort erfuhren sie, dass für Physiotherapeuten eine offizielle Anerkennung der ausländischen Qualifikation ein unerlässlicher Schritt ist, um in Deutschland wieder in ihrem erlernten Beruf tätig zu werden. Wie in Gesundheitsfachberufen üblich, benötigt man grundsätzlich eine staatliche Erlaubnis, um die Berufsbezeichnung in Deutschland führen und den Beruf ohne Einschränkung ausüben zu dürfen. Bei einem im Ausland erworbenen Abschluss überprüft die zuständige Stelle die Gleichwertigkeit des Abschlusses mit dem entsprechenden deutschen Abschluss und stellt fest, wie groß die Übereinstimmungen sind bzw. wo eventuell noch Nachholbedarf herrscht.

Dass es aber geht, zeigen Frau Jaber und Herr Haidar. Sie kamen aufgrund des Kriegs in Syrien 2015 nach Deutschland. Beide hatten an der Health Science Institution in Damaskus ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin/zum Physiotherapeuten erfolgreich absolviert und auch schon über 15 Jahre Berufserfahrung sammeln können. Im Juni 2016 suchte das Paar das erste Mal die IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstelle in Osnabrück auf. Zu diesem Zeitpunkt musste die Beratung noch auf Englisch stattfinden. Nachdem sie Sprachkurse besucht und ihre Unterlagen vorbereitet hatten, stellten sie im Oktober 2017 den Antrag auf Anerkennung bei der zuständigen Stelle, dem Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. Nachdem noch ein paar Dokumente nachgereicht worden waren, hielten sie im April 2018 den Bescheid des Landesamts in den Händen, mit der Auflage, entweder eine Kenntnisprüfung oder einen Anpassungslehrgang zu absolvieren.  

An dieser Stelle kommt das Einzelqualifizierungsprojekt des IQ Netzwerks Niedersachsen ins Spiel, an das die Beratungsstelle in Osnabrück Frau Jaber und Herr Haidar verwies, um eine passgenaue Bildungseinrichtung zu finden und die finanzielle Förderung eines Kurses auf die Beine zu stellen. Mit den Ludwig Fresenius Schulen in Osnabrück konnte schnell ein passender Bildungsträger gefunden werden, der die Kenntnisprüfung im Bereich Physiotherapie nicht nur durchführt, sondern auch darauf vorbereitet. Frau Jaber und Herr Haidar konnten dazu von September bis Dezember 2018 am Unterricht teilnehmen. Im Anschluss schafften beide bereits im ersten Versuch erfolgreich die Prüfung. Wenig später war es dann soweit: Im Januar dieses Jahres bekamen Frau Jaber und Herr Haidar ihre endgültigen Bescheide über die volle Gleichwertigkeit ihres Abschlusses vom Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. Seitdem können sie nicht nur wieder ohne Einschränkung in ihrem alten Beruf arbeiten und Patientinnen und Patienten aktiv unterstützen, sondern sie helfen auch dabei, den Mangel an Physiotherapeuten ein kleines bisschen zu reduzieren. Ihr Durchhaltevermögen und Engagement haben sich also gleich aus mehreren Perspektiven gelohnt.

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