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Zwölf lange Jahre bis zur Anerkennung

„Wichtig ist, sich nie entmutigen zu lassen.“

Adela Hädicke ist überglücklich! Endlich hält sie das ersehnte Zertifikat in den Händen – ihre bestandene  „Kenntnisprüfung“ als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Absolviert hat sie die „Ausgleichsmaßnahme“ über das IQ Netzwerk Niedersachsen beim IWK (Institut für Weiterbildung in der Kranken- & Altenpflege) in Delmenhorst, ein bundesweit agierender Träger für Aus- und Weiterbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen. Offiziell heißt der Kurs, den Frau Hädicke so erfolgreich abgeschlossen hat,  „Vorbereitung für die Kenntnisprüfung zur Erlangung der staatlichen Anerkennung ausländischer Krankenpflegeausbildungen“ – ein sperriger Titel! Und gleichzeitig die letzte große „Hürde“, die die in Peru ausgebildete Krankenschwester nehmen musste, um in Deutschland ihren Beruf nach langen Jahren endlich ausüben zu können.

2002 war Adela Hädicke, damals noch unter ihrem Mädchennamen, erstmals nach Deutschland gekommen. Zunächst mit dem Plan, sich weiterzubilden und die deutsche Sprache zu erlernen.  In Cuxhaven traf sie dann ihren jetzigen Ehemann, den sie 2006 heiratete. Schon bald war klar, dass sie gerne gemäß ihrer Qualifikation als Krankenschwester arbeiten wollte. Die sympathische gebürtige Südamerikanerin erklärt: „In Peru studiert man den Beruf Krankenschwester. Ich habe mehr als sechs Jahre die Universität besucht und bin eigentlich höher qualifiziert, als durch die Ausbildung hierzulande.“ Damit offenbart sich die Motivation, die sie angetrieben hat, ihre Anerkennung in Deutschland auch bis zum Ende zu verfolgen. Leider gab es einige Hindernisse, die ihr den Weg erschwerten. Vor 13 Jahren gab es das sogenannte „Anerkennungsgesetz“ in Deutschland noch nicht (trat erst 2012 in Kraft) und sowohl von Seiten der Agentur für Arbeit, als auch vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie kam 2007 zunächst die ernüchternde Rückmeldung, dass Adela Hädicke mit ihrem ausländischen Abschluss hierzulande nicht arbeiten dürfe. Ein herber Rückschlag für die junge Frau. Es folgte die Geburten ihrer beiden Söhne 2007 und 2011 und damit eine längere Pause in ihren Bemühungen.

Die Pläne für eine berufliche Anerkennung waren damit aber nicht beendet. Trotz der Tatsache, dass sie so negative Prognosen für ihre Berufsausübung erhalten hatte und  in der breiten Öffentlichkeit zu dem Zeitpunkt kaum ein Bewusstsein über die Möglichkeit der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen vorhanden war, gaben die Hädickes trotzdem nicht auf. Besonders Herr Hädicke suchte gezielt nach einer fachlichen Beratung und fand 2015 zur „IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung“ der Caritas in Cuxhaven. Dort unterstützte man die aktive Krankenschwester gerne bei den weiteren Schritten zur Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation.

Wiederholt wurden Anträge auf Prüfung ihrer Qualifikation beim Landesamt für Soziales, Jugend und Familie gestellt und teilweise auch die Ergebnisse hinterfragt – die Prüfung der Dokumente hatte nämlich ergeben, dass die theoretischen Anforderungen für eine Berufsanerkennung übererfüllt waren, es aber Nachholbedarf im praktischen Bereich gäbe. Somit wurde Adela Hädicke ein sogenannter „Anpassungslehrgang“ oder die Absolvierung einer „Kenntnisprüfung“ auferlegt, bevor sie eine Berufserlaubnis als „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ erhalten könne. Die praktische Umsetzung einer solchen Nachqualifizierung gestaltete sich allerdings schwierig. Besonders die Kinderbetreuung stellte ein Problem dar, da entsprechenden Maßnahmen überaus selten sind und ausschließlich in Vollzeit angeboten werden. Darüber hinaus gab es verschiedene Fragen rund um die Finanzierung, die auch mit Hilfe der IQ Beratungsstelle in Cuxhaven geklärt werden mussten. Dann hieß es, Frau Hädicke solle im medizinischen Bereich zunächst Arbeitserfahrung in Deutschland sammeln, bevor eine Anpassungsqualifizierung begonnen werde. Somit arbeitete die fleißige Wahl-Cuxhavenerin immer wieder in verschiedenen Pflegeeinrichtungen und die Zeit verging …

2018 war es dann endlich soweit: die IQ Beratungsstelle informierte Adela Hädicke, dass Anfang 2019 ein geeigneter Kurs zur „Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung“ starten würde und über das IQ Teilprojekt auch finanziert werden könne. Wenn die Kinderbetreuung organisiert werde, könne Frau Hädicke im Mai 2019 den Kurs mit der Kenntnisprüfung abschließen und somit eine volle Anerkennung ihrer Berufsausbildung aus Peru erreichen. Diese Chance ließ Adela Hädicke nicht ungenutzt. Durch die Unterstützung der Anerkennungsberaterinnen meldete sie sich zu dem Kurs an, fand den nötigen Praktikumsplatz, um parallel die praktischen Anteile zu absolvieren, und startete mit der Maßnahme. Häufige Fahrten zu der Schule in Delmenhorst – rund 100 km entfernt vom Wohnort – nahm sie dabei in Kauf. Und dann kam die Prüfung am 21. Mai 2019: „Es war aufregend“,  berichtet die überglückliche Absolventin. „In der Prüfung ist mir ein wichtiger Begriff erst nicht eingefallen, aber Gott sei Dank kam die Erinnerung dann doch noch wieder! Die praktische Prüfung direkt am Praktikumsplatz lief dafür sehr gut, auch die Prüferinnen waren sehr positiv.

Bei der Zertifikatsverleihung flossen erstmal Tränen. Nach zwölf langen Jahren und den anfangs so negativen Rückmeldungen war es einfach ein überwältigendes Gefühl, das Abschlussdokument in den Händen zu halten, so Hädicke. Die IQ Beraterin Regina Krieghoff freut sich mit: „Heute würde so ein Prozess wahrscheinlich viel schneller gehen, auch dank des Anerkennungsgesetzes von 2012. Außerdem steigt das Bewusstsein für die Möglichkeiten einer ausländischen Berufsanerkennung  stetig. Trotzdem bleibt es extrem wichtig, sich nie entmutigen zu lassen, auch wenn etwas nicht auf Anhieb klappt!

Adela Hädicke ist das beste Beispiel dafür.

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